So prüfen wir Fakten
Erklärt Lesern, wie Inhalte geprüft, Quellen gewichtet und Korrekturen transparent behandelt werden. Jeder Hintergrundbericht, jede investigative Recherche und jede Analyse durchläuft dieselbe Reihenfolge — von der ersten Notiz bis zur späteren Aktualisierung im Text.
Bevor ein Text erscheint, prüft ein zweites Teammitglied Belege, Zahlen und Zitate gegen die Originalquellen. Diese Beschreibung unseres Prüfwegs wird selbst nachgehalten.
Warum wir unseren Prüfweg offenlegen
Wir schreiben über Politik, Wirtschaft, Kultur und Forschung. Leser sollen deshalb nachvollziehen können, worauf eine Aussage beruht und wo ihre Grenzen liegen. Diese Seite beschreibt die Regeln, an die sich unsere Redaktion hält — und was Sie tun können, wenn Ihnen etwas falsch erscheint.
Kein Text steht auf einer einzigen Quelle. Wir trennen drei Dinge: das, was belegt ist, das, was wir begründet einordnen, und das, was noch offen ist. Diese Trennung halten wir im Text sichtbar, oft direkt im Satz — statt jede Zeile mit einer Fußnote zu belasten.
Wo Angaben strittig bleiben, schreiben wir, welche Seite was behauptet, und warum wir der einen Darstellung mehr Gewicht geben. Auch das gehört zur Quellenarbeit: Unsicherheit benennen, nicht weglassen.
Erst prüfen, dann schreiben. Belege werden beschafft, bevor der Text Form annimmt.
Unsicherheit bleibt sichtbar. Was offen ist, wird als offen benannt — nicht geglättet.
Korrekturen werden nachgetragen. Im Artikel, mit Datum, nicht im Stillen.
Sechs Schritte, die jeder Text durchläuft
Analysen, Recherchen und Essais durchlaufen dieselbe Folge. Sie ist keine Formalie — an jeder Station kann ein Text zurückgehen.
-
Schritt 1
Thema und Fragestellung festlegen Was ist die offene Frage, und welche Antwort würde die Berichterstattung wirklich voranbringen? Wir formulieren sie vor der Recherche, damit sie sich später überprüfen lässt.Ressort
-
Schritt 2
Quellen zusammenfragen Dokumente, Gespräche, öffentliche Register, Fachveröffentlichungen. Wir notieren zu jeder Angabe, woher sie stammt und wie weit sie reicht.Recherche
-
Schritt 3
Aussagen gegenprüfen Mindestens ein zweites Teammitglied liest die Belege nach. Zahlen und Zitate werden ausschließlich gegen das Original geprüft, nicht gegen die eigene Notiz.Prüfung
-
Schritt 4
Betroffene Stellungnahme einholen Wer in einem kritischen Punkt genannt wird, bekommt Gelegenheit zur Antwort. Wir dokumentieren, ob, wann und wie geantwortet wurde.Fairness
-
Schritt 5
Redaktionelle Abnahme Die Ressortleitung prüft Gewichtung und Ton: Wird die Aussage von den Belegen getragen? Fehlt eine Gegenposition? Ist die Unsicherheit benannt?Abnahme
-
Schritt 6
Nachverfolgen und aktualisieren Entwickelt sich ein Sachverhalt weiter, wird der Text ergänzt. Änderungen stehen mit Datum und kurzer Erläuterung am Artikelende.Pflege
Wie wir Quellen gewichten
Ein Dokument steht über einer Erinnerung. Ein Originalpapier steht über einer Zusammenfassung. Eine Zahl aus einer laufenden Erhebung trägt weniger weit als eine abgeschlossene Auswertung. Diese Reihenfolge entscheidet, was im Text als Tatsache formuliert wird und was als Einschätzung.
Bei vertraulichen Angaben prüfen wir, ob der Hinweis unabhängig bestätigt werden kann. Lässt sich nur eine Version finden, benennen wir das im Text und verzichten auf eine Zuschreibung, die die Quelle gefährden würde.
Wir ändern einen Text nicht still. Jede inhaltliche Korrektur wird im Artikel nachgetragen, mit Datum und einer kurzen Erläuterung dessen, was falsch war.
Drei Stufen: Tippfehler und Formatierung werden ohne Vermerk behoben. Inhaltliche Fehler, die die Aussage berühren, bekommen einen Korrekturhinweis am Artikelende. Wenn eine Kernaussage nicht mehr trägt, wird der Artikel überarbeitet und die Änderung oben im Text sichtbar gemacht — mit dem Datum, an dem die neue Fassung gilt.
Gelöscht wird nur, was gegen Recht oder Persönlichkeitsrechte verstößt. Zurückgezogene Aussagen bleiben als zurückgezogen lesbar.
Was zu jedem Artikel dokumentiert bleibt
Für jede Veröffentlichung führen wir intern einen Belegsatz. Er ist nicht öffentlich, aber er ist die Grundlage dafür, dass eine spätere Nachfrage beantwortet werden kann. Leser und Partner können sich zu jeder Aussage an die Redaktion wenden.
- Belege
- Originaldokumente, Auszüge und Verweise werden mit Herkunft und Datum abgelegt. Bei Zahlen halten wir fest, aus welcher Erhebung sie stammen und für welchen Zeitraum sie gelten.
- Zitate
- Jedes wörtliche Zitat wird gegen die Aufzeichnung oder das Dokument geprüft. Kürzungen sind im Text als solche gekennzeichnet, ohne den Sinn zu verschieben.
- Strittige Punkte
- Widersprüchliche Angaben werden beide notiert, mit dem Gewicht, das wir ihnen geben, und dem Grund dafür. Im Artikel erscheint die Einordnung, nicht die vollständige Aktenlage.
- Antworten
- Stellungnahmen Betroffener werden vollständig und im Wortlaut aufbewahrt, auch wenn sie im gedruckten Text gekürzt erscheinen.
- Änderungen
- Jede spätere Überarbeitung erhält einen Eintrag mit Datum und Anlass. So bleibt nachvollziehbar, welche Fassung wann galt.
Korrekturen, Richtigstellungen und Rückfragen
So melden Sie einen Fehler
- Schreiben Sie an unsere Redaktion und nennen Sie den Artikel sowie die Stelle, um die es geht.
- Wenn Sie einen Beleg haben, legen Sie ihn bei. Das verkürzt die Prüfung erheblich.
- Wir prüfen gegen den hinterlegten Belegsatz und antworten, sobald die Prüfung abgeschlossen ist.
Was wir nicht tun
- Wir entfernen keine Aussage, nur weil sie unbequem ist. Trägt sie nicht mehr, wird sie als zurückgezogen gekennzeichnet.
- Wir passen Artikel nicht an Werbekunden an. Belege sind die einzige Grundlage für Änderungen.
- Wir ändern Zahlen nicht nachträglich, um eine Wertung zu stützen. Wer rechnet und wer zeichnet, bleibt im Belegsatz vermerkt.
Häufige Fragen zur Faktenprüfung
Wenn Ihre Frage hier fehlt, schreiben Sie uns. Fragen zur Methode beantworten wir unabhängig davon, ob Sie den Abo-Leserservice nutzen.
Kontakt aufnehmenWie viele Quellen braucht ein Artikel, bevor er erscheint?
Es gibt keine feste Zahl. Entscheidend ist, ob die zentrale Aussage unabhängig belegt ist. Bei einer einzelnen Dokumentenanalyse kann ein Original genügen, wenn seine Herkunft gesichert ist. Bei Vorwürfen an eine Person oder Institution verlangen wir mindestens eine zweite, unabhängige Bestätigung oder eine belastbare Stellungnahme.
Werden anonyme Quellen gekennzeichnet?
Ja. Wenn eine Quelle nicht genannt werden kann, schreiben wir, in welcher Funktion sie spricht und warum wir sie schützen. Wo möglich, beschreiben wir, wie ihre Angabe gegenprüfbar war. Eine anonyme Quelle allein trägt keine zentrale Aussage.
Wie lange dauert eine Prüfung?
Das hängt vom Umfang ab. Ein Essay mit offenliegenden Quellen ist schneller abgenommen als eine investigative Recherche mit vielen Beteiligten. Lässt sich eine Angabe nicht rechtzeitig sichern, verschieben wir die Veröffentlichung, statt sie zu kürzen.
Was passiert, wenn sich eine Aussage später als falsch erweist?
Der Artikel wird überarbeitet, die Stelle wird als korrigiert markiert und der neue Stand datiert. Betrifft die Korrektur eine Kernaussage, weisen wir oben im Text darauf hin, damit Leser nicht auf eine überholte Fassung treffen.
Kann ich Einsicht in die Belege nehmen?
Der interne Belegsatz ist nicht öffentlich, weil er Quellen schützt. Bei öffentlichen Dokumenten verweisen wir im Artikel direkt darauf. Bei konkreten Rückfragen beschreibt die Redaktion, worauf eine Aussage beruht, ohne geschützte Angaben zu gefährden.
Gilt dieser Prüfweg auch für Gastbeiträge?
Gastbeiträge und Debattenstücke werden als solche gekennzeichnet. Sie durchlaufen eine Prüfung von Zitaten und Zahlen, aber die Wertung bleibt die der Autorin oder des Autors. Wo wir widersprechen, steht das daneben — nicht ersatzweise.
Unsere Arbeit prüfen, nicht nur unsere Texte lesen
Auf der Seite zur Redaktion stehen die Köpfe hinter den Ressorts und die Art der Finanzierung. Beides gehört zur Frage, wie unabhängig eine Analyse entsteht.
Mo–Fr: 09:00–18:00 Uhr